Projekt

Schulleiter:innen tragen eine grosse Verantwortung. Sie bewältigen zentrale Verwaltungsaufgaben, führen Personal und sind für die Sicherstellung von Lernprozessen sowie die Förderung der schulischen Leistungen von Schüler:innen verantwortlich. Der Erfolg von Schulen und das positive Arbeitsumfeld für Lehrpersonen hängt wesentlich von ihrer Arbeit ab.

Untersuchungen haben gezeigt:

  • Das Wohlbefinden von Vorgesetzten kann sich direkt auf das Wohlbefinden und die Leistung ihrer Teams auswirken.
  • Das Wohlbefinden von Schulleitungen hängt mit der Umsetzung unterstützender Führungspraktiken zusammen, die mit dem beruflichen Wohlbefinden von Lehrpersonen in Zusammenhang stehen.
  • Schulleitungen mit hohem Wohlbefinden können Lehrpersonen inspirieren, ein positives Lernumfeld für Schüler:innen zu schaffen.

Das Wohlbefinden von Schulleiter:innen hat bisher wenig Aufmerksamkeit erhalten, obwohl ihre Tätigkeit durch hohe berufliche Anforderungen, vielfältige Verantwortlichkeiten und komplexe Entscheidungsprozesse geprägt ist. Bewältigung dieser Anforderungen kann sich negativ auf das Wohlbefinden von Schulleiter:innen auswirken. Es gibt jedoch auch bestimmte Berufseigenschaften und persönliche Ressourcen, die ihr Wohlbefinden schützen können. Indem wir uns auf das Wohlbefinden von Schulleiter:innen konzentrieren, können wir besser verstehen, welche persönlichen und beruflichen Ressourcen zum Wohle aller Mitglieder der Schulgemeinschaft geschützt und gestärkt werden können.

Das WESPA-Projekt wird theoretisch durch zwei etablierte Theorien gerahmt: Die Job Demands-Resources Theory (JD-R, Bakker et al., 2023) und die Conservation of Resources Theory (Hobfoll, 1989) (COR, Hobfoll, 1989).

Die JD-R-Theorie geht davon aus, dass jeder Beruf bestimmte Anforderungen und Ressourcen mit sich bringt. Jobanforderungen sind Aspekte des Berufs, die eine anhaltende geistige oder körperliche Anstrengung erfordern und die Arbeitnehmenden unter Druck setzen oder belasten. Für Schulleiter:innen können Jobanforderungen beispielsweise eine hohe Arbeitsbelastung, unklare Rollenverteilung oder unmotivierte Lehrpersonen sein. Jobressourcen hingegen sind Aspekte, die Arbeitnehmenden helfen, mit den Anforderungen umzugehen und ihre Arbeitsziele zu erreichen. Zu den Ressourcen können Faktoren wie ein hohes Mass an Autonomie, positive soziale Beziehungen innerhalb der Schule oder ein kompetentes und motiviertes Team gehören (Skaalvik, 2020, 2023).

Die COR-Theorie basiert auf der Annahme, dass Mitarbeitende danach streben, ihre Ressourcen zu erhalten und zu schützen, da ein höheres Ausmass an Ressourcen es ihnen ermöglicht, Herausforderungen und Belastungen besser zu bewältigen (Hobfoll, 2011). Im WESPA-Projekt konzentrieren wir uns auf proaktive Arbeitsverhalten wie Job Crafting und Coping-Strategien, die Schulleiter:innen helfen können, ihre Ressourcen zu erhalten. Dies trägt wiederum dazu bei, berufliche Anforderungen besser zu bewältigen und das Wohlbefinden zu fördern (Bakker et al., 2023)

Referenzen

Bakker, A. B., Demerouti, E., & Sanz-Vergel, A. (2023). Job demands–resources theory: Ten years later. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 10, 25–53. https://doi.org/10.1146/annurev-orgpsych-120920-%20053933

Hobfoll, S. E. (1989). Conservation of resources: A new attempt at conceptualizing stress. American Psychologist, 44(3), 513–524. https://doi.org/10.1037/0003-066X.44.3.513

Hobfoll, S. E. (2011). Conservation of resource caravans and engaged settings. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 84(1), 116–122. https://doi.org/10.1111/j.2044-8325.2010.02016.x

Skaalvik, C. (2020). Self-efficacy for instructional leadership: Relations with perceived job demands and job resources, emotional exhaustion, job satisfaction, and motivation to quit. Social Psychology of Education, 23(5), 1343–1366. https://doi.org/10.1007/s11218-020-09585-9

Skaalvik, C. (2023). Emotional exhaustion and job satisfaction among Norwegian school principals: Relations with perceived job demands and job resources. International Journal of Leadership in Education, 26(1), 75–99. https://doi.org/10.1080/13603124.2020.1791964

Im WESPA-Projekt gehen wir drei Forschungsfragen nach:

  1. Welche Arbeitsbedingungen (Belastungen und Ressourcen) beeinflussen das Wohlbefinden von Schulleitungen?
  2. Wie bauen Schulleitungen ihre persönlichen und beruflichen Ressourcen auf und wie erhalten sie diese?
  3. Wie hängt das Wohlbefinden von Schulleitungen und Lehrpersonen zusammen?

Alle untersuchten Zusammenhänge werden vergleichend in der Schweiz, Kroatien und Rumänien analysiert, um kontextuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Bildungssystemen herauszuarbeiten.

Die Datenerhebung findet in zwei Phasen statt:

Phase 1: Längsschnittstudie mit vier Messzeitpunkten

In einer ersten Phase nehmen Schulleitungen und Lehrpersonen vier Mal an einer Onlinebefragung teil (Herbst 2025, Frühjahr 2026, Herbst 2026, Frühjahr 2027). Die Onlinebefragungen dauern jeweils rund 15-20 Minuten.

Phase 2: 10-tägige Tagebuchstudie

In einer zweiten Phase findet eine zehntägige Tagebuchstudie mit Schulleitungen statt, bei der täglich eine kurze Onlineumfrage (max. 5 Minuten) ausgefüllt wird.