Abteilung Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft (AAE)

Portrait
 
Die Abteilung Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft gehört dem Institut für Erziehungswissenschaft seit seiner Gründung an. Die Arbeit der Abteilung ist an einem transdisziplinären Forschungsverständnis ausgerichtet, mit dem Fragen zu Erziehung, Unterricht, Bildung und Sozialisation in den Entstehungs- und Transformationsprozessen moderner Gesellschaften unter nationaler wie internationaler Akzentuierung behandelt werden. Im Mittelpunkt stehen Problemstellungen, deren Bearbeitung einen Beitrag zur Theorie und Geschichte der Erziehungswissenschaft bietet.
 
Ordinariat AAE: Prof. Dr. Elmar Anhalt

Mitarbeitende AAE

Emeritus

Forschungsausrichtung der Abteilung

Die Abteilung Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft behandelt Fragen zu Erziehung, Unterricht, Bildung und Sozialisation in den Entstehungs- und Transformationsprozessen moderner Gesellschaften unter nationaler wie internationaler Akzentuierung. Im Mittelpunkt stehen transdisziplinär orientierte Problemstellungen, deren Bearbeitung einen Beitrag zur Theorie und Geschichte der Erziehungswissenschaft und zur pädagogischen Theoriebildung bieten. Die Themen sind entsprechend vielfältig und ihre Bearbeitung erfolgt unter historisch-systematischen Schwerpunktsetzungen. Neben den »klassischen« Themen der Allgemeinen und Historischen Erziehungswissenschaft (z.B. anthropologische und ethische Fragen) sind in der jüngeren Vergangenheit »neue« Themen hinzugekommen. Die Abteilung behandelt sie unter verschiedenen Schwerpunkten, z.B. Fragen der gerechten Gesellschaft, des Aufwachsens unter Bedingungen der Komplexität oder der Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Das Methodenspektrum umfasst neben anderem Theorienvergleiche, Argumentationsanalysen, Diskursforschung, historische Rekonstruktionen und empirische Erhebungen. Durchgängig sind eine problemorientierte Vorgehensweise sowie die Orientierung an der Differenz zwischen Pädagogik und Erziehungswissenschaft.

Die zentralen Forschungsfelder umfassen:

1. Wissenschaftstheorie & Komplexitätsforschung der Erziehungswissenschaft

Wissenschaftstheorie der Erziehungswissenschaft: Seitdem wissenschaftstheoretische und methodologische Ausbildungsanteile aus den Curricula der erziehungswissenschaftlichen Studiengänge an vielen Hochschulstandorten fast gänzlich verschwunden sind, sind Fragen nach dem Verständnis von Wissenschaft, nach der Kenntnis der Fach- und Disziplingenese sowie nach einschlägigem Wissen in allen relevanten Urteilsdimensionen vermehrt in den Focus der Aufmerksamkeit gerückt. Im Mittelpunkt stehen z.B. Probleme des erziehungswissenschaftlichen Theorienstatus, pädagogischer Theoriebildung, einer Pädagogik als Wissenschaft, wissenschaftlicher Ausbildung, wissenschaftlichen Arbeitens und Studierfähigkeit sowie der Hochschullehre in ihrer historischen Genese.

Komplexitätsforschung der Erziehungswissenschaft: Die Abteilung Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft vertritt ein Forschungsprogramm, das mit der Unterscheidung zwischen der Komplexität von Situationen, der Komplexität von Sachverhalten und der Komplexität von Methoden operiert, um das Aufwachsen unter den Bedingungen komplexer Gesellschaften beschreibbar und erforschbar zu machen. Die Annahme, dass die Entscheidungs-, Planungs- und Durchführungsverfahren, die Handlungen, mit denen Ziele realisiert und Zwecke verfolgt werden sollen, und auch die Menschen komplex sind, wird in modernen Gesellschaften weithin geteilt und unter vielfältigen Gesichtspunkten erforscht. Es fehlt aber bislang eine allgemeine erziehungswissenschaftliche Theorie der Komplexität, die Begriffe, Annahmen und Methoden aus einer fachwissenschaftlichen Perspektive erklärbar macht, auf die Beschreibungen der Komplexität und deren Erforschung zurückgreifen.

2. Pädagogische Anthropologie & Bildsamkeitsforschung

Pädagogische Anthropologie: Alle Beschreibungen von Erziehung greifen auf Menschenbildannahmen und auf mehr oder weniger explizite und systematisierte Theorien des Menschen zurück. Aufgabe einer erziehungswissenschaftlichen Theorie der Erziehung ist es, solche Annahmen und Theorien in den Beschreibungen von Erziehung zu thematisieren und in Relation zur einschlägigen Forschung z.B. in den Nachbardisziplinen Psychologie, Soziologie und Neurobiologie, zu problematisieren.

Bildsamkeitsforschung: Bildsamkeit gilt seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als »Grundbegriff« der Pädagogik. Johann Friedrich Herbart hatte seiner Bestimmung dieses »Grundbegriffs« eine problemorientierte Fassung gegeben, die auch heute noch von hoher Aktualität ist. Die an der Abteilung betriebene Bildsamkeitsforschung arbeitet im Kontext der internationalen Herbart-Forschung daran, dieses Potential für erziehungswissenschaftliche Forschung sichtbar zu machen. Generell behandeln die Forschungen »Kernfragen« des Faches, die das schwierige Verhältnis zwischen drei Problemkomplexen ausloten: dem Problem, ob Erziehung im jeweiligen Fall notwendig ist, dem Problem, auf welche Fähigkeiten Erziehung aufbauen kann, und dem Problem, in welche Erziehungsgeschichte die einzelnen Massnahmen eingreifen. In Verbindung mit der Komplexitätsforschung wird z.B. das Problem angemessener Prüfungsformate gestellt und gefragt, wie eine Differenzierung der Prüfungen pädagogisch begründet werden kann.

3. Pädagogische Ethik & Werteforschung

Pädagogische Ethik: Ein Leben unter den Bedingungen normativer Ordnungen wird in modernen Gesellschaften zunehmend als problematisch wahrgenommen und in seinen vielfältigen Bezügen diskutiert. Fraglich geworden sind nicht nur einzelne Normen, sondern insbesondere die Funktion der Normorientierung und die Verbindlichkeit normativer Regelungen in sozialen Ordnungen. Moderne Gesellschaften scheinen generell auf der Suche nach Orientierung zu sein. In dieser Suche spiegelt sich das pädagogische Grundproblem, zu welcher Gesellschaft die Erwachsenen mit ihren Erwartungen an die Nachwachsenden beitragen wollen, welche Rechte sie ihnen zuerkennen, welche Pflichten sie ihnen aufbürden und welche Leistungen sie selbst für ein gelingendes Aufwachsen erbringen wollen. Die Abteilung untersucht diesen Zusammenhang grundlegend unter der Fragestellung, wie sich die Suche nach Orientierung jeweils gestaltet.

Werteforschung: Allen Überlegungen, Entscheidungen, Handlungen und Urteilen liegen bewusste und unbewusste Vorzugsgesichtspunkte zugrunde, die nicht nur die konkrete Wahl selbst, sondern auch die Bereitschaften und Dispositionen, Einstellungen und Haltungen strukturieren. Solche Vorzugsgesichtspunkte sind Werte. Themen der Werteforschung, die in der Abteilung behandelt werden, umfassen Fragen der Wertbindung, Werthaltung und Wertentstehung wie -veränderung, Fragen der Funktion von Werteorientierung sowie Fragen der Werteerziehung im Unterschied zu einer Erziehung zur Werteorientierung.

 

Forschungsschwerpunkte der Mitarbeiter

Dr. Thomas Rucker

Bildungstheorie: In der Erziehungswissenschaft wird Bildung auf unterschiedliche Art und Weise beschrieben, ohne dass dieser Ausdifferenzierungsprozess in der Vergangenheit von einer kontinuierlichen Reflexion auf die Gemeinsamkeiten, Differenzen sowie Anschlussmöglichkeiten verschiedener Beschreibung von Bildung begleitet worden wäre. Der bildungstheoretische Diskurs (in der Erziehungswissenschaft, aber auch darüber hinaus) besitzt deshalb weitestgehend die Form eines lose gekoppelten Autorenverbunds.  In der Abteilung für Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft wird vor diesem Hintergrund versucht, Konsensbereiche verschiedener Beschreibungen von Bildung ausfindig zu machen und diese einer Systematisierung zuzuführen.

Allgemeine Didaktik: Unterricht wird in der Erziehungswissenschaft oftmals auf Schulunterricht reduziert. Die Allgemeine Didaktik als Teilbereich der Allgemeinen Erziehungswissenschaft erforscht demgegenüber Unterricht generell. In der Abteilung für Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft wird ein spezifisches, in der Tradition der modernen Pädagogik verankertes Theorieangebot in den Diskurs der Allgemeinen Didaktik eingebracht, nämlich die Theorie eines erziehenden Unterrichts mit Bildungsanspruch. Zentrale Fragen lauten in diesem Kontext u.a.: Worin besteht das Spezifikum eines erziehenden Unterrichts? Wie können Erziehung, Bildung und Unterricht im Zusammenhang bestimmt werden? Auf welchen anthropologischen, gesellschaftstheoretischen sowie moralisch-ethischen Voraussetzungen beruht die Theorie des erziehenden Unterrichts? Was sind begründete Aufgaben, Inhalte und Methoden eines erziehenden Unterrichts mit Bildungsanspruch?

 

Kira Ammann, M.Sc.

Kinderrechte und Kindheitsforschung: Der Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Kind als Subjekt im Verhältnis von Erziehung und Recht und der Perspektive des Kindes im Sinne einer erziehungswissenschaftlichen Kindheitsforschung. Ein Thema bilden die in den vergangenen Jahren stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückten Fragen der Rechte von Kindern. Kinderrechte garantieren den Anspruch, dass Kinder sich zu allem ins Verhältnis setzen dürfen – zu den Anforderungen des Lebens, den Aufgaben, welche die Gesellschaft an sie richtet, den Ansprüchen der Erwachsenen – und dass sie diesem Ins-Verhältnis-Setzen mit ihrer Stimme Ausdruck verleihen dürfen. Dass dieser Anspruch nicht überall anerkannt und umgesetzt wird, ist ein zentrales Thema der Kindheitsforschung, wie sie von der Allgemeinen und Historischen Erziehungswissenschaft in Bern verstanden wird.

 

Stefan Emmenegger, M.Sc.

Kausalität und Pädagogik: Das Dissertationsprojekt widmet sich der Frage nach dem Konnex von Kausalität und pädagogischem Handeln. Dabei wird das Problemfeld anhand sozialpsychologischer sowie organisationstheoretischer Theorien für die Erziehungswissenschaft neu beleuchtet.

Wochenplan Herbstsemester 2019 (HS19)

Semesterthema - Erziehung und Bildung im 3. Jahrtausend

Erziehung und Bildung am Beginn des 3. Jahrtausends

 Mo

 Di

 Mittwoch

 Donnerstag

 Freitag

 8-10

   

 

Forschungspraktikum AAE

 

 Proseminar AAE

 
Klassiker der Pädagogik
 

 10-12

     
 

 Proseminar AAE


Berichterstattung im schweizerischen Bildungssystem.
Problemhorizonte und Relevanz für Erziehungswissenschaft


Vorlesung AAE

 

Erziehung und Bildung am Beginn des 3. Jahrtausends

 12-14

         

 14-16

     

 

Forschungsmethoden 6 (AAE)

 

 Seminar AAE

 
Herausforderungen von Erziehung und Bildung
 

 16-18

         

Das Forschungskolloquium findet gem. separater Ankündigung statt.

Bei Fragen zu den Veranstaltungen, melden Sie sich bitte per Mail bei den jeweiligen Dozentinnen und Dozenten zu einer Sprechstunde an.

Alle relevanten Informationen zu den Lehrveranstaltungen finden Sie auf KSL.

 

Dokumente & Merkblätter AAE

Publikation November 2018

Chüngold

Vom Kindheitsroman Chüngold der Schriftstellerin Maria Lauber (1891-1973), dem ersten Mundartroman, der aus einer weiblichen Perspektive heraus erzählt wurde, ist einen Neuauflage erschienen. Kira Ammann und Gaudenz Welti haben dafür den Aufsatz «Wenn du gross bist» – Ein erziehungswissenschaftlicher Beitrag zu Maria Laubers Chüngold verfasst. Kulturgutstiftung Frutigland (Hrsg.) (2018), Maria Lauber: Chüngold. Erzählung. Basel: Zytglogge-Verlag.

Publikation November 2018

Digitalisierung, Komplexität und Urteilskraft

Thomas Rucker hat den Aufsatz „Digitalisierung, Komplexität und Urteilskraft“ in der Zeitschrift bildung+ Schule digital veröffentlicht.

Publikation September 2018

Modernisierung und Pädagogik

Beitrag von Elmar Anhalt und Gaudenz Welti unter dem Titel Operieren mit Differenzen: "Zur Frage nach dem Ort der Pädagogik in der Modernisierung". Binder, Ulrich (Hrsg.) (2018). Modernisierung und Pädagogik – ambivalente und paradoxe Inter-dependenzen. Weinheim, Basel: Beltz Verlag.

Publikation September 2018

Unterricht als Praxis des Gründe-Gebens und Nach-Gründen-Verlangens

Thomas Rucker hat den Aufsatz „Unterricht als Praxis des Gründe-Gebens und Nach-Gründen-Verlangens. Über die methodische Grundstruktur eines Unterrichts mit Bildungsanspruch“ in der Zeitschrift Pädagogische Rundschau veröffentlich.

Auszeichnung Lehrevaluation (Oktober 2018)

Wir freuen uns, dass Kira Ammann für das Proseminar „Du Kind, wirst nicht erst Mensch, du bist ein Mensch - Kinderrechte als pädagogische Leitkategorie“ (HS 2017) im Rahmen der studentischen Lehrevaluation ein ausgezeichnetes EvaIuationsergebnis erzielt hat. Von 100 Veranstaltungen wurden 10 (10%) als ausgezeichnet evaluiert.